Stadt - Raum - Netz


In diesem DISC werden Texte gesammelt, die zur sozialwissenschaftlichen Erforschung der vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Netzwerkmedien und urbanen Entwicklungen beitragen. Folgende Thesen skizzieren die inhaltliche Bandbreite dieses Themenbereichs: Erstens sind weitreichende soziale Transformationsprozesse innerhalb der Städte angesichts der Herausbildung globaler Datenströme zu erwarten. Zweitens entstehen unter dem Leitgedanken der Urbanisation im Netz neuartige soziale Phänomene. So dient das Internet zum einen der erlebnisorientierten Kreation multimedialer "Städte" mit einer eigenen virtuellen Architektur ("Cyber Cities"). Zum anderen werden im WWW unter dem Schlagwort "elektronische Demokratie" Teilnetze angeboten, die auf lokale Interessen zugeschnitten oder nach gebauten Vorbildern konstruiert sind: Stadtinformationssysteme, "Digital Cities" sowie partizipatorisch orientierte Bürgernetze. Drittens nun ist eben diesen Netzen die Eigenschaft gemeinsam, daß sie computervermittelte Handlungs- und Erfahrungsräume generieren, die zum Teil bereits heute auf den "Sozial-Raum Stadt" zurückwirken, indem sie in einigen Bereichen herkömmliche Praxis- und Organisationsformen ergänzen und verknüpfen.


Vera Hertewich

 

Living Links:

 

 

Manuel Castells (1996/97): Europäische Städte, die Informationsgesellschaft und die globale Ökonomie
"Die Informationsgesellschaft mit ihrer globalen Ökonomie wird tief in unsere Städte eingreifen. Neue soziale Konflikte werden entstehen, weil die Informationsstadt dazu tendiert, eine duale Stadt zu werden. Auf der anderen Seite kann die Globalisierung den Städten wieder eine neue Bedeutung als Schnittstelle zwischen dem Raum der Datenströme und dem Raum der Orte zuweisen." (Übernommen aus Abstract)

[http://www.telepolis.de/deutsch/special/sam/6020/1.html]

 

 

Markus Giel (2001): Mediale Partizipation in Politik und Verwaltung
In Abgrenzung zum Begriff des "Demokratieversagens" (Leggewie) entwickelt Giel einen dynamischen Demokratiebegriff, bezeichnet als "zeitgebundene Ausformung der Demokratie im Wandel". Vor dessen Hintergrund diskutiert er die Potentiale des Internet für eine partizipatorisch orientierte Stadtplanung: (1) Kann das Internet den Erwartungen für die Demokratie in der Stadtplanung entsprechen? (2) Welche Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden?

[http://members.tripod.de/wohnenundarbeiten/relaunch/download/partizipation.pdf]

 

 

Rainer Jentgens (1999): Electronic Commerce und räumlicher Strukturwandel
Aufbauend auf allgemeinen Erläuterungen zu e-commerce und Raumstruktur behandelt der Verfasser dieser Diplomarbeit vorrangig wirtschaftsgeographische Fragestellungen, die soziologische Aspekte und Perspektiven beinhalten. So werden, bezogen auf potentielle künftige Entwicklungen in den Städten, unter anderem die Relationen virtueller zu realen Märkten, regionale elektronische Marktplätze sowie digitale Städte diskutiert.

[http://www.jentgens.de/rj/ecurs/download/ecurs.pdf]

 

 

Herbert Kubicek / Rose MM Wagner (1999): Drei Generationen Community Networks - Der Wandel eines elektronischen Mediums in 25 Jahren
Die AutorInnen rekonstruieren drei Generationen computerbasierter Community Networks der 60er Jahre bis heute. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Konkurrenz durch kommerzielle Stadtinformationssysteme werden neue qualitative und organisatorische Erfordernisse für zukünftige CN-Projekte definiert, die die zivilgesellschaftlichen Motive und Ziele zum Gegenstand haben.

[http://infosoc.informatik.uni-bremen.de/internet/fgtk/OnlineInfos/CommunityNetworks/CommunityNetworks.pdf]

 

 

Pierre Lévy (1996/97): Städte, Territorien und Cyberspace
Der Autor diskutiert die möglichen Folgen des Cyberspace für das Urbane und die Organisation territorialer Räume. Die technischen und sozialen Potentiale des Cyberspace liegen nach seiner Ansicht insbesondere in einer politischen Perspektive. Als Werkzeuge kollektiver und kontinuierlicher Aushandelungsprozesse können die interaktiven Kommunikationsnetze den "Raum des Territoriums" jedoch nur ergänzen, nicht ersetzen.

[http://www.telepolis.de/deutsch/special/sam/6003/1.html]

 

 

Markus Schroer (2001): Urbanität im Netz - Der Cyberspace als "gute Gesellschaft"?
Die Diskurse um den Cyberspace führen nach Ansicht des Autors die mißglückten Utopien und überzogenen Ängste der traditionellen Stadtsoziologie fort. Währenddessen wächst sowohl in "realen" als auch in den "virtuellen Städten", die sich zunehmend überschneiden, eine sozial-strukturelle und räumliche Zweiteilung. Anstatt sich mit positiven Versprechungen oder Negativszenarien aufzuhalten, so das Plädoyer des Autors, sollte die Soziologie die tatsächlichen Auswirkungen des Cyberspace auf die Städte im Detail erforschen.

[http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/4686/1.html]

 

 

Christine Weiske, Ute Hoffmann (1996): Die Erlebniswelt als Stadt
Die Autorinnen stellen die These von der Selbstauflösung der Städte in Frage, die dem Konzept von der Erlebnisgesellschaft innewohnt (G. Schulze). Der Reiz beim Besuch virtueller Städte zeigt nach Ansicht der Autorinnen, "daß sich die Idee von der Stadt, die Stadt als kulturelles Muster, nicht auflöst, sondern daß sie eine Bestätigung bekommt in einem anderen Medium." Die digitalen Städte generieren eine neue Urbanität, die aus eigenen sozialen Räumen besteht und damit auch eine neue, aber nicht weniger reale Erlebniswelt bewirkt - es geht um Schnittstellen zwischen dem "körperlichen Selbst" und "einem virtuellen Anderswo".

[http://duplox.wz-berlin.de/texte/stadt/]

 

 

Roland Wirth (1999): Internetnutzung und Verwaltungsreform
Der Aufsatz vermittelt einen Überblick über die Inhalte und Ziele kommunaler Bürgerinformationssysteme im Internet. Insofern bildet er eine deskriptive Einführung in den Themenkomplex.

[http://www.hgdoe.de/pol/wirth.htm]

 

 

Weiter zum Friedhof der LivingLinks
Ich möchte einen weiteren Link zu diesem Thema vorschlagen
Letzte Aktualisierung: Montag der 10. September 2001 20:40 Uhr
DISCJockey: Vera Hertewich
Ein Projekt der CNF